Sachsen-Anhalts einziger Profi-Rennfahrer Dominique Schaak im Exklusivinterview

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Hallo Dominique,

Am kommenden Wochenende ziehst du als Gladiator der Rennstrecke, wieder in die heimische Arena in Oschersleben ein. Sicher ein emotionales Rennen für dich und eine Herzensangelegenheit, sich vor heimischem Publikum zu präsentieren.

conWINce: Aber zurück auf Anfang. Wie bist Du eigentlich zum Rennsport gekommen und in welchem Alter hast Du mit dem Leistungssport angefangen?

Dominique: Angefangen hat alles im Alter von 7 Jahren auf der heimischen Kartbahn in Halle. Mein Dad hat mit mir von Klein auf seine Leidenschaft für die Formel 1 geteilt und mich eines Tages mit auf die Strecke genommen. Mir hat das Kartfahren riesig Spaß gemacht und ich habe direkt in der ersten Runde den Bahnrekord geknackt, wohl für alle ein Indiz, das mir Benzin im Blut liegt und mein Talent gefördert werden sollte. Mein Dad war mein erster großer Sponsor, er investierte in mich und mein Talent, so dass wir schon in der kommenden Saison die ersten nationalen Kartmeisterschaften fahren konnten.

conWINce: Was hat Dich am meisten am Motorsport begeistert und was motiviert Dich auch heute noch jeden Tag Bestleistung abzurufen, um dich mit den Besten der Welt messen zu können?

Dominique: Ganz klar meine Faszination für die Technik, den Fortschritt und all die Details dahinter. Motorsport ist ein Teamsport. Mein Erfolg hängt nicht nur von mir als Rennfahrer ab, sondern vor allem davon, wie gut das gesamte Team Hand in Hand zusammenarbeitet. Jeder im Team ist wie ein wichtiges Zahnrad, nur wenn alle reibungslos zusammenarbeiten, können wir optimale Performance auf die Strecke bringen. Was mich im Speziellen motiviert, ist die Leidenschaft für den Sport. Motorsport begleitet mich seit frühester Kindheit, es ist (m)eine Lebenseinstellung. Die Liebe zu meinem Sport und mein persönlicher Ehrgeiz und Hang zum Perfektionismus treiben mich jeden Tag voran, um meine hoch gesteckten Ziele zu erreichen und einfach mein Bestes zu geben. Das nächste große Ziel ist für mich der Aufstieg in die Königsklasse, die ADAC GT Masters.

conWINce: Wie oft und mit welchen Schwerpunkten trainierst Du, um diese Leistung abrufen und ausbauen zu können? Vor allem die Hitzebelastung von 78 Grad im Auto, macht sicherlich eine besondere Vorbereitung nötig?

Dominique: Ich trainiere fast täglich, zumindest an 5-6 Tagen in der Woche, in unterschiedlicher Intensität. In unserem Sport steht vor allem Kraft-Ausdauer auf dem Programm, viel Cardiotraining aber ohne Muskelmassenverlust.Wir dürfen möglichst wenig wiegen, aber müssen dabei maximale Kraft entwickeln, um all den Fliehkräften und physischen Anforderungen im Cockpit stand zu halten. Eine stabile Muskulatur ist präventiv auch im Falle eines Crash’s enorm wichtig. Eine weitere Herausforderung ist die extreme Hitze im Auto von bis zu 78 Grad, der wir stand halten müssen. Diese Hitzebelastung trainieren wir zum Beispiel in der Sauna. Unter all diesen Einflüssen kommt natürlich auch die Notwendigkeit mentaler Stärke und bester Konzentrationsfähigkeit hinzu, denn bei Geschwindigkeiten von bis zu 300km/h muss man auf jedes kleinste Signal an der Strecke achten, auf die anderen Fahrer schauen und blitzschnell reagieren können. Auch Multitasking gehört im Cockpit dazu. Während des Rennens stehe ich jederzeit über Funk mit meinem Team in Kontakt, um sie über den Zustand des Autos zu informieren, aber auch darüber, wie es mir geht. Motorsport ist ein Extremsport und macht in jedem Fall eine besondere Vorbereitung in vielen Bereichen notwendig.

conWINce: Dein Sport gehört zweifellos zu den riskanteren Sportarten. Hattest Du schon einen folgenschweren Unfall bzw. eine Verletzung und wie gehst Du mit diesem Risiko bzw. Rückschlägen um?

Dominique: Natürlich ist der Motorsport sehr risikobehaftet, Unfälle gehören hier, wie in jeder anderen Sportart, mit dazu. Auch ich hatte in meiner Laufbahn schon einige Kollisionen und auch Unfälle. Manche waren schwerer, manche nicht so. Meine Kollisionen sind zum Glück immer recht glimpflich und nur mit Prellungen oder Stauchungen verlaufen. Wie gehe ich mit dem Risiko um? Gute Frage. Ich bin damit groß geworden und aufgewachsen und mache mir vermutlich nicht so viele Gedanken wie Aussenstehende darüber. Ich habe gelernt mit dem Risiko zu leben und es in gewisser Weise auszublenden. Wenn man sich zu sehr auf die Gefahren fokussiert und die Ängste überhand nehmen, würde man vermutlich nicht mehr ins Auto steigen und das ist auch gut so, weil es sonst wirklich gefährlich werden könnte. Ich persönlich versuche nach einem Unfall schnellstmöglich wieder ins Cockpit zu springen, um das Geschehene mental abzustreifen. Dann kann ich auch wieder mit 120% in das nächste Rennen gehen und denke nicht mehr darüber nach was passiert ist oder was passieren kann.

conWINce: Ganz besonders interessiert mich, wie Du dich körperlich aber auch mental auf so eine besondere Saison wie die Europameisterschaft vorbereitest. Wie gelingt es Dir, deine Bestleistung so punktuell abrufen zu können?

Dominique: Alles beginnt meist schon im Winter. Mein Ziel steht ganz klar für die kommende Saison und ich fokussiere mich darauf. Ich habe dann einen exkaten Plan und größere Trainingsumfänge, die mich ideal auf die neue Saison und das Ziel vorbereiten. Das läuft nach so vielen Jahren schon wie ein Automatismus ab. Ich kann mich sehr gut auf meine Aufgaben fokussieren, werde jedoch auch stetig angespannter, wenn das nächste Rennen vor der Tür steht. Ich bin auch nur ein Mensch und natürlich bin auch ich starkem Leistungsdruck ausgesetzt. Ich weiß genau worum es geht. In unserem Sport spielt die Unterstützung durch Sponsoren eine große Rolle, das kann man nicht immer ausblenden. Nur wenn ich dauerhaft gute Leistungen abrufe, habe ich auch Sponsoren und starke Partner an meiner Seite, die mit mir den Weg im Motorsport weiter gehen.

conWINce: Als Pilot trägst Du nicht nur die Verantwortung für Dich sondern auch für Deine Konkurrenten auf der Strecke. Wie gehst Du mit der großen Verantwortung um und welche Eigenschaften zeichnen einen guten Rennfahrer aus?

Dominique: Natürlich trage ich große Verantwortung für mich und auch andere. Wer in ein Rennauto einsteigt, kennt aber das Agreement. Jeder weiß, was passieren kann, für sich selbst und auch für die Anderen. Jeder hat sich frei dazu entschieden, diesen Weg mitzugehen. Auch wenn man hinter den Kulissen mit dem einen oder anderen Fahrer befreundet ist, sind wir doch alle Egoisten und Konkurrenten, wenn auf der Strecke die Ampel auf grün schaltet. Das muss auch so sein, wie in jedem anderen Wettrennen, das man gewinnen will. Für mich sind die wichtigsten Eigenschaften eines Rennfahrers vor allem Zielstrebigkeit, eiserner Wille und die Fähigkeit jeden Tag sehr hart für seinen Traum zu arbeiten. Mann muss als Rennfahrer zu 100% hinter dem stehen, was man tut, wenn man ins Cockpit steigt. Halbherzigkeit hat in diesem Sport nichts zu suchen. Wie in jedem Hochleistungssport gehört natürlich auch eine große Opferbereitschaft dazu. In meinem Leben steht der Motorsport klar an erster Stelle, alles andere und auch das Privatleben wird diesem Lebensinhalt untergeordnet, das muss man wissen.

conWINce: Viele Läufer zelebrieren vor Wettkämpfen die so genannten „Pasta-Partys“ , andere Sportler gehen Ihren Wettkampf in Gedanken immer und immer wieder durch – Hast Du auch besondere Rituale oder Abläufe in Vorbereitung auf Deinen Wettkampf z.B. Mentale Strategien wie Visualisierung oder ein bestimmtes Essen?

Dominique: Ich habe schon sehr lange ein festes Ritual vor dem Rennen. Etwa 30 Minuten vor dem Startschuss ziehe ich mich so zurück, dass ich völlig für mich alleine bin. Dann höre ich Musik, die mich pusht und den Adrenalinspiegel ansteigen lässt. Das brauche ich einfach für den richtigen Wettkampfmodus im Cockpit. Außerdem habe ich immer einen kleinen Gummiball dabei um Spannung abzubauen. Generell liebe ich Pasta, auch vor dem Rennen, aber ich kann nicht sagen, das es ein spezielles Ritual beim Essen gibt, nein.

conWINce: Gibt es generell eine bestimmte Form von Ernährung die Du verfolgst, bzw. auf welche Lebensmittel setzt Du, wenn es darum geht deinen Körper gesund und leistungsfähig zu halten?

Dominique: Ich verfolge keine bestimmte Ernährungsform. Ernährungs ist jedoch für uns Rennfahrer aus zwei Gründen extrem wichtig, erstens um leistungsfähig zu sein und zweitens um das Gewicht halten zu können. Auch wenn es nicht immer einfach mit dem Training zu timen ist, versuche ich immer ausgewogen zu essen, um eine solide Grundlage für optimale Leistungen auf der Strecke zu haben.

conWINce: Nach dem Rennen ist vor dem Rennen und vor allem als Motorsportpilot wird einem körperlich aber auch mental einiges abverlangt – welche Strategien oder Techniken nutzt du am liebsten, um Dich körperlich und mental zu regenerieren und deine Akkus wieder aufzuladen?

Dominique: Nach einem Rennwochenende, das meist auch mit einer langen Reise verbunden ist, komme ich körperlich und mental sehr erschöpft zu Hause an. Für mich ist es dann nicht all zu einfach gründlich zu regenerieren, da der Alltag ja nicht liegen bleiben darf. Hinzu kommen Presse- und Sponsorentermine. In jedem Fall nehme ich mir aber mindestens 2 Tage zum regenerieren und aufladen. Am besten gelingt mir dies meist, wenn ich mich am ersten Regenerationstag komplett zurückziehe und für mich alleine bin, ein Buch lese oder einfach mental und körperlich entspanne. Weil ich ein absoluter Familienmensch bin und hier besonders gut auftanken kann, fernab vom Motorsportgetümmel, verbinge ich meinen zweiten Entlastungstag meist mit leichter Bewegung zum Beispiel einem lockeren Lauf und Zeit bei Familie und Freunden.

conWINce: Eine letzte Frage zum Abschluss bezieht sich auf das Thema Doppelbelastungen. Der Motorsport gehört aktuell nicht zu den olympischen Sportarten, so dass Dir viele Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten der Deutschen Sporthilfe verwehrt bleiben. Somit musst Du Sportler und Unternehmer zugleich sein, um deinen Sport finanzierbar zu halten. Wie schaffst Du den täglichen Spagat zwischen all den unternehmerischen Verpflichtungen und den Anforderungen als Profi-Sportler?

Dominique: Ich persönlich muss Profisportler und Unternehmer in einer Person sein. Diese Doppelbelastung ist natürlich ein FullTime Job. Zum einen bin ich Profisportler, der täglich in besonderem Umfang trainieren muss, zum anderen endet mein Job nicht nach dem Training. Im Anschluss warten dann noch Themen wie Buchhaltung, Sponsorenakquise oder Eventplanung auf mich. Motorsport ist eben ein kostenintensiver Sport, der es nötig macht Sponsoren für sich zu gewinnen und auch zu binden. Diese Bindung gelingt nur, wenn ich sowohl als Sportler konstant gute Leistungen auf die Strecke bringe, als auch meinen Sponsoren unternehmerischen Gegenwert, wie Marketingkampagnen, Events und anderes biete. Natürlich haben es finanzstarke Teams da einfacher, die sich für solche Aufgaben eigene Management-Teams beschäftigen. Ich bin jedoch in diese Doppelrolle hineingewachsen und verfolge auch die unternehmerischen Aufgaben und die Bindung zu den Sponsoren mit ebenso viel Leidenschaft, wie für meinen Sport, da ich unheimlich dankbar für die finanzielle Unterstützung bin, ohne die ich nicht in der Form das tun könnte, was ich am meisten liebe – Rennen fahren!

conWINce: Lieber Dominique, vielen Dank für das offene und interessante Gespräch und auch das Du dir so kurz vor dem Rennen die Zeit genommen hast, uns einen Einblick in dein Leben als Profi-Rennfahrer zu geben. Ich wünsche Dir und deinem Team optimale Gesundheit, beste Performance und am Ende den Lohn für Deine harte Arbeit – ein Podiumsplatz in der heimischen Arena und größtmöglichen Erfolg für das Fernziel Europameisterschaften und ADAC GT Masters.

Ich freue mich dich an diesem Wochenende persönlich an der Strecke begleiten zu können und Daumen zu drücken!